Ausgezeichnetes Projekt zur Wissenschaftskommunikation
Kann Kochen Darmkrebs vorbeugen?
Auf einer Herdplatte köcheln Zwiebelschalen, Petersilienstängel und andere Gemüsereste, die sonst meist im Biomüll landen. Daneben garen Kochbananen. Ein junger Mann hackt Walnüsse, gegenüber landen entkernte Datteln auf einem Backblech. Zerbröselter Tofu mit Erdnussbutter brutzelt in der Pfanne. Zwischen Schneidebrettern und Töpfen wird gelacht.
Rund 20 Teilnehmende treffen sich an diesem Samstag in der Lehrküche des Instituts für Klinische Ernährungsmedizin am TUM Campus Olympiapark. Gemeinsam mit dem studentischen Team von Science Snack bereiten sie pflanzenbasierte Gerichte zu, von Dips bis zum Dessert.
Jede Zutat ist bewusst gewählt. Denn hinter den Rezepten steht eine Frage, über die viele im Alltag nur selten nachdenken: Welche Rolle spielt Ernährung für die Darmgesundheit? „Essen verbindet Menschen, und während man zusammen schnippelt, kocht und probiert, fällt es viel leichter, auch über Themen wie Darmgesundheit oder Darmkrebsprävention zu sprechen“, erzählt Koch Viet Ha Dietrich Nguyen. „Es fühlt sich nicht wie ein Vortrag an, sondern wie ein ganz normales Gespräch.“
Warum Darmkrebs auch junge Menschen betrifft
Kurz vor dem Essen wird es noch einmal ruhig in der Lehrküche. Anna Fuhrmann, Masterstudentin der Molekularen Biotechnologie und Initiatorin von Science Snack, spricht über Darmkrebsprävention bei jungen Menschen.
Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem familiäre Vorbelastung, Bewegungsmangel, Alkohol- und Tabakkonsum sowie rotes und verarbeitetes Fleisch. Wichtigstes Warnzeichen sei Blut im Stuhl. „Das muss nicht unbedingt Krebs sein, aber man sollte es trotzdem abchecken lassen“, rät Fuhrmann. Auch Veränderungen der Stuhlgewohnheiten über mehrere Wochen oder ungewöhnliche Bauchschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden.
Obwohl nach wie vor überwiegend Menschen über 50 erkranken, beobachten Forschende seit Jahren einen Anstieg der Darmkrebsfälle bei 20- bis 39-Jährigen. „Wir wissen heute, dass Ernährung zu den wichtigsten beeinflussbaren Lebensstilfaktoren für das Darmkrebsrisiko gehört“, erklärt Olivia Coleman vom Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie der TUM School of Life Sciences.
Laut Coleman gilt eine westliche Ernährungsweise mit vielen stark verarbeiteten Lebensmitteln, einem hohen Fett- und Zuckergehalt sowie wenigen Ballaststoffen als besonders ungünstig. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse hingegen trägt zu einem gesunden Darmmikrobiom bei.
Darmkrebsprävention für den Alltag
Wie sich diese Erkenntnisse praktisch anwenden lassen, zeigt Science Snack. Unter mehr als 220 Einreichungen gehörte es zu den zehn Projekten, die im Hochschulwettbewerb 2026 von Wissenschaft im Dialog ausgezeichnet wurden. „Zu sehen, dass man Menschen nicht nur ein gutes Essen, sondern auch Wissen mitgeben kann, macht das Projekt für mich besonders“, betont Dietrich Nguyen.
Mit einer mobilen Küche ist das Team von Science Snack außerdem auf Festivals wie dem Zamanand vertreten und bringt Wissenschaft dorthin, wo Menschen ins Gespräch kommen. „Bei einem Straßenfestival haben wir gewaschene Bio-Kiwis mit Schale verteilt, da die meisten Ballaststoffe in bzw. unter der Schale sitzen“, erzählt Maren Neumann, die Science Snack in der Projektleitung unterstützt. „Es war super interessant zu beobachten, wie die Menschen von ‚Auf gar keinen Fall‘ zu ‚Schmeckt ganz normal‘ gewechselt sind und somit einen praktischen Tipp für mehr Ballaststoffe im Alltag direkt umsetzen konnten.“
Bei den Science Snack-Kochabenden warten verschiedene Koch- und Probierstationen auf die Teilnehmenden. An der Fermentierstation erklärt Fuhrmann den gesundheitlichen Nutzen der Lacto-Fermentation und verteilt eine Kostprobe fermentierter Wassermelone, bevor die Teilnehmenden selbst Gemüse in Salzlake einlegen. „Als ich klein war, habe ich mit meiner Oma in der Ukraine Obst und Gemüse aus ihrem Garten eingelegt. Nun fermentiere ich gemeinsam mit meiner Mama. Ich habe bisher kaum eine nicht-ukrainische Person getroffen, die eingelegte Wassermelone kennt!“
Beim gemeinsamen Mythencheck erfahren die Teilnehmenden, welche Ernährungstipps wissenschaftlich belegt sind und welche nicht – zum Beispiel, ob Fleischkonsum Einfluss auf das Darmkrebsrisiko hat. Teammitglied Lisa Stein erklärt, dass besonders Nitritpökelsalz in verarbeiteten Fleischprodukten problematisch ist: „Beim nächsten Einkauf könnt ihr gerne mal auf den Verpackungen nachschauen. Das ist sehr häufig drin. Wenn man allein das vermeidet, tut man sich selbst schon etwas Gutes.“
Für den 25-jährigen Frederik Keil, Doktorand am Forschungszentrum Jülich, bleibt vor allem eines hängen: „Es ist eigentlich ganz einfach – viel einfacher als gedacht.“ Genau das möchte Fuhrmann mit Science Snack erreichen: „Ich wünsche mir, dass die Teilnehmenden nach unseren Kochabenden Lust bekommen, selbst zu Hause etwas auszuprobieren. Sie sollen Spaß am Kochen und Fermentieren haben, neugierig auf Neues und Ungewohntes sein und natürlich lernen, Ernährungsmythen aus den sozialen Medien kritisch zu hinterfragen.“
Public Engagement
Wissenschaft zum Anfassen und Mitmachen: Durch Public Engagement fördern wir den offenen Diskurs zwischen Forschung und Öffentlichkeit. Erleben Sie inspirierende Vorträge, Projekte und Veranstaltungen.
- Zur Science Snack Website
- Rezepte zum Nachkochen
- Zum Hochschulwettbewerb 2026 von Wissenschaft im Dialog gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft.
- MI-EOCRC: Mikrobiota-basierte Prävention von Darmkrebs bei jungen Menschen
- Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie
- ZIEL – Institute for Food & Health
Technische Universität München
- Natalie Neudert
- natalie.neudert@tum.de