• 15.7.2026
  • Lesezeit: 5 Min.

„MöglichMacher“-Preis für TUM Entrepreneurial Masterclass

Mit der Masterarbeit ein Start-up auf den Weg bringen

Die TUM Entrepreneurial Masterclass verbindet in einzigartiger Weise Studium und Start-up. Studierende können in ihrer Masterarbeit eine Fragegestellung untersuchen, die für ihre eigene Unternehmensgründung oder eine andere Ausgründung der TUM entscheidend ist, oder sie erforschen, wie die Start-up-Förderung verbessert werden kann. Rund 80 Start-ups sind bereits aus dem Programm hervorgegangen. Dafür erhielt die TUM nun den „MöglichMacher 2026 – Bayerischer Hochschulpreis Entrepreneurship“.

Teilnehmende der TUM Entrepreneurial Masterclass TUM
Alle zwei Wochen treffen sich die Teilnehmenden der TUM Entrepreneurial Masterclass, um ihre Arbeiten zu diskutieren und sich gegenseitig zu unterstützen.

„Wert aus dem Nichts zu kreieren – dieser Gedanke hat mich extrem fasziniert.“ Nils Börner wurde während seines Informatik-Studiums klar, dass er ein Start-up gründen will. Aber mit welchem Produkt? „Mir fehlte lange eine Idee. Im Laufe des Studiums habe ich dann gelernt, dass man sich eine Marktnische auch systematisch suchen kann. Aber wenn es die Entrepreneurial Masterclass nicht als Startpunkt gegeben hätte, wäre wohl alles anders gelaufen.“

Unternehmerisch denkenden Studierenden einen Weg weisen und Forschungsergebnisse aus Masterarbeiten in die Praxis bringen – das ist die Idee der deutschlandweit einzigartigen TUM Entrepreneurial Masterclass. „Wir wollen das ungenutzte Potenzial heben, das in den Masterarbeiten schlummert – und das zuvor auch darin lag, dass Studium und Entrepreneurship-Ökosystem manchmal nicht zueinander gefunden haben“, sagt Programmmanager Tim Bernhard.

Mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben in den ersten sechs Jahren des Programms mit ihrer Masterarbeit zu einer Unternehmensgründung beigetragen – zur eigenen oder direkt und indirekt zu anderen Start-ups. Denn es gibt drei unterschiedliche Pfade in der Masterclass. Nils Börner entschied sich für den Startup Creation Track. „Die Bewerbungsfrist hat die Suche nach einer Geschäftsidee deutlich beschleunigt“, sagt Börner schmunzelnd. Seine Wahl fiel auf ein Problem in Speditionen: überflüssige Routen, die Gabelstapler beim Umschlag von Waren zurücklegen. Wie sich dieses Problem mit mathematischer Optimierung lösen lässt, darüber forschte Börner in seiner Masterarbeit. 

„In der TUM Entrepreneurial Masterclass geht es nicht darum, einen Businessplan zu schreiben und als Abschlussarbeit einzureichen“, betont Prof. Anne Tryba, eine der akademischen Direktorinnen. „Der wissenschaftliche Anspruch ist so hoch wie bei allen TUM-Abschlussarbeiten. Die Studierenden bearbeiten eine Problemstellung, deren Relevanz über ihr eigenes Gründungsprojekt hinausgeht.“ 

Gäste aus Start-ups und Venture-Capital-Firmen

Der Unterschied zu üblichen Masterarbeiten: Nils Börner untersuchte zusätzlich, ob es sich für ein Start-up lohnen würde, die von ihm erarbeitete Lösung anzubieten – und kam zu dem Schluss, dass dies keine erfolgversprechende Geschäftsidee wäre. „Hätte ich nicht an der Masterclass teilgenommen, hätte ich das wahrscheinlich erst im Gründungsprozess festgestellt und wertvolle Zeit verloren. So konnte ich die erste Idee systematisch validieren und gleichzeitig meinen Master abschließen.“ Vom Ergebnis seiner Studie ließ sich Börner nicht abschrecken. „Ich war zuvor nicht im Entrepreneurship-Umfeld unterwegs gewesen. Der Austausch mit den anderen Teilnehmenden und den erfolgreichen Gründerinnen und Gründer, die ich kennengelernt habe, hat mich extrem motiviert.“ 

Ein halbes Jahr lang trifft sich eine Masterclass-Gruppe, die aus rund 30 Teilnehmenden besteht, alle zwei Wochen, um die Arbeiten zu diskutieren und sich gegenseitig zu unterstützen. In Seminaren werden die Studierenden in wissenschaftlichem Arbeiten geschult, Gäste aus Start-ups und Venture-Capital-Firmen geben Einblicke und Tipps, im Munich Urban Colab stehen ein Arbeitsplatz und damit weitere Vernetzungsmöglichkeiten zur Verfügung. Und wenn es an die Gründung geht, wartet das ausgefeilte Fördersystem an der TUM.

Nils Börner wechselte zusammen mit zwei Freunden in den UnternehmerTUM Incubator, wo sie sich eines anderen Problems annahmen, das in der Speditionsbranche weit verbreitet ist: Versender geben die Abmessungen ihrer Fracht falsch an. Das führt zu schlecht ausgelasteten Lastwagen und fehlerhaften Abrechnungen. Die Lösung: eine Künstliche Intelligenz, die Packstücke in Umschlaghallen automatisch vermisst, indem sie die Bilder der Überwachungskameras nutzt, die in Speditionen sowieso schon im Einsatz sind. Damit gründete das Team im Frühjahr dieses Jahres das Start-up transload. „Weil ich während der Masterarbeit intensiv mit einer Spedition zusammengearbeitet hatte und die Branche verstanden habe, sind uns auch die Gespräche mit unseren ersten Kunden viel leichter gefallen“, sagt Börner.

Mehr als 150 Gründungsprojekte haben die Teilnehmenden der Entrepreneurial Masterclass, die aus allen Schools der TUM kommen, bislang gestartet, rund 80 Start-ups sind bereits gegründet. Darunter sind auch Gründerinnen und Gründer, die dies zunächst gar nicht geplant hatten. Denn auf dem zweiten Pfad des Programms, der Tech Venture Challenge, bringt die Masterclass bestehende Gründungsteams mit Masterstudierenden zusammen. „Nicht selten wollen Forschende oder Studierende aus Ingenieur- und Naturwissenschaften ihre Entwicklungen auf den Markt bringen, aber es fehlt ihnen die Wirtschaftsexpertise“, sagt Programmmanager Bernhard. „Dann können sie bei uns entsprechende Masterarbeiten ausschreiben. Manche Management-Studierenden steigen dann sogar ins Start-up ein.“ Auf eine solche Arbeit bewarb sich Lukas Kutschker beim Team RenewPoly, das biobasierte Harze für besonders anspruchsvolle Anwendungen wie etwa in der Luft- und Raumfahrt entwickelt – heute ist er als Co-Gründer Chief Operating Officer und Chief Financial Officer des Unternehmens. 

Masterarbeiten untersuchen Gründungsförderung

So wie das Ökosystem rund um die TUM die Studierenden fördert, so können umgekehrt auch die Teilnehmenden der Masterclass dem Ökosystem wichtige Impulse geben: Auf dem dritten Pfad des Programms untersuchen die Studierenden, wie Start-ups, die Gründungsförderung oder die Entrepreneurship-Ausbildung Erfolg haben können. Für diesen Entrepreneurship Support Track entschied sich Ricarda Lawrence. „Ein Großteil der Start-ups, die aufgeben, scheitert an einem Konflikt im Team“, sagt Lawrence. „Um die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Gründungsteams zu erhöhen, müssen wir also die zwischenmenschlichen Dynamiken besser verstehen.“ Mit ihrer Abschlussarbeit im Studiengang Management & Innovation trug sie zu einer Langzeitstudie des Lehrstuhls für Strategie und Organisation über diese Dynamiken bei. Im Labor beobachtete sie Teams, die über eine kontroverse Frage diskutierten, und analysierte, wie sich Konfliktverhaltensweisen längerfristig auf die Teamzufriedenheit auswirkten. 

„Mich mit den Gründerinnen und Gründern in der Masterclass auszutauschen, war ein echter Game Changer, weil ich meine Vorstellungen und Thesen gegenchecken konnte“, sagt Lawrence. „Und die Resonanz auf mein Thema war viel größer als ich vermutet hatte, was mir die Relevanz bestätigt hat. Nicht nur das hat mich sehr motiviert, sondern vor allem die Atmosphäre mit so vielen engagierten Menschen, die lösungsorientiert denken, etwas bewegen wollen und dabei unterschiedlichste Perspektiven und Erfahrungen mitbringen.“ Diese Community hat Lawrence so begeistert, dass sie neben ihrem ersten Job in einer Unternehmensberatung eine Ausbildung zum Coach gemacht hat – und künftig der nächsten Generation von Gründerinnen und Gründern helfen kann, erfolgreich zu starten.

Entrepreneurship

Unternehmertum ist Teil unserer DNA. Entdecken Sie das Gründungsökosystem von TUM, UnternehmerTUM und den TUM Venture Labs mit vielfältigen Entrepreneurship-Angeboten – von Gründungsberatung bis hin zu Entrepreneurship Education.

Entrepreneurship an der TUM 

Weitere Informationen und Links
  • Bewerbung für die TUM Entrepreneurial Masterclass

  • Die TUM Entrepreneurial Masterclass wurde bei „MöglichMacher – Bayerischer Hochschulpreis Entrepreneurship“ mit dem ersten Platz in der Kategorie Universitäten ausgezeichnet. Mit „MöglichMacher“ würdigen das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. gemeinsam mit HOCHSPRUNG – Entrepreneurship-Netzwerk der bayerischen Hochschulen, BayZiel – Bayerisches Zentrum für Innovative Lehre sowie ProfiLehrePlus – Netzwerk der hochschuldidaktischen Einrichtungen der bayerischen Universitäten herausragende Leistungen für die Entrepreneurship- und Gründungsförderung an bayerischen Hochschulen.

  • Die akademische Leitung der TUM Entrepreneurial Masterclass haben Prof. Dr. Dr. Holger Patzelt, Prof. Dr. Helmut Schönenberger und Prof. Dr. Anne Tryba inne, das Programm managen Tim Bernhard, Justus Dickel, Merve Emir und David Nawrath.

  • Gründungsförderung an der TUM

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