• 21.7.2026
  • Lesezeit: 3 Min.

Studie zeigt Erwartungshaltungen

Warum Geringqualifizierte seltener an Weiterbildungen teilnehmen

Geringer qualifizierte Beschäftigte nehmen seltener an betrieblichen Weiterbildungen teil als ihre höher qualifizierten Kolleginnen und Kollegen. Sie sind weniger überzeugt, dass der zusätzliche Kompetenzerwerb positive Effekte auf beruflichen Erfolg und Arbeitszufriedenheit hat. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der TUM und des ifo Instituts. Die Studie zeigt auch: Mit nur wenigen Informationen können Unternehmen die Bereitschaft erhöhen, Weiterbildungsangebote anzunehmen.

Eine Ausbilderin bei einer Weiterbildung iStockphoto.com / monkeybusinessimages
Die Bereitschaft zur Weiterbildung hängt vor allem von den Erwartungen an Berufserfolg und Arbeitszufriedenheit ab.

Das Forschungsteam des TUM Campus Heilbronn und des ifo Instituts befragte im Jahr 2024 rund 3.700 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Alter von 25 bis 55 Jahren. Die Stichprobe ist hinsichtlich Alter und Geschlecht repräsentativ für die deutsche Erwerbsbevölkerung in diesem Altersbereich. 

In den zwölf Monaten vor der Befragung hatten 67 Prozent der höher qualifizierten Beschäftigten an einer betrieblichen Weiterbildung teilgenommen, aber lediglich 45 Prozent der geringer Qualifizierten. 

Dieses Ergebnis bestätigt den bisherigen Forschungsstand, dass geringer qualifizierte Beschäftigte und auch ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seltener Weiterbildungsangebote wahrnehmen. Wenig erforscht war aber bislang, welche Erwartungshaltungen diesem Verhalten zugrunde liegen. Das Forschungsteam fragte deshalb die Teilnehmenden in zwei hypothetischen Szenarien, wie sie ihre berufliche Situation in sechs Jahren einschätzen. Dabei ging es um ihre Erwartungen zu Einkommen, beruflichen Erfolgen, Karrieremöglichkeiten und Arbeitsplatzqualität. Im ersten Szenario bildeten sich die Personen regelmäßig weiter, im zweiten nicht. 

Im Durchschnitt erwarten die Beschäftigten nach sechs Jahren mit Weiterbildung einen Verdienst, der rund neun Prozent höher liegt als ohne Weiterbildung. „Damit haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein sehr realistisches Bild“, sagt Studienautorin Hanna Brosch von der Professur für Economics am TUM Campus Heilbronn. „Die Forschung schätzt die tatsächlichen Effekte auf eine ähnliche Größenordnung.“ Auffällig ist, dass sich höher und geringer Qualifizierte in ihrer Erwartungshaltung an die prozentualen Einkommensgewinne kaum unterscheiden. 

Gehaltsvorstellungen weniger entscheidend

Als bedeutenderen Faktor identifizierten die Forschenden bei ihrer statistischen Analyse die Erwartungen hinsichtlich des Berufserfolgs, der Arbeitszufriedenheit und der Karrieremöglichkeiten. „Die Erwartungshaltungen zu den beruflichen Perspektiven hängen mit den tatsächlich absolvierten Weiterbildungen stärker zusammen als die Vorstellungen über das Gehalt“, sagt Brosch. 

An dieser Stelle zeigten sich nun eindeutige Unterschiede zwischen höher und geringer Qualifizierten. Letztere sind skeptischer, dass sie aufgrund des Kompetenzerwerbs mehr Erfolg im Job haben, befördert werden oder mehr Freude an ihren Aufgaben empfinden würden. „Geringer qualifizierte Beschäftigte rechnen mit weniger Erträgen der betrieblichen Weiterbildung“, sagt Philipp Lergetporer, Inhaber der TUM-Professur für Economics und ifo Forschungsprofessor. „Das ist insofern bedenklich, als dass sie in der Regel den Umwälzungen des Arbeitsmarktes ungeschützter ausgesetzt sind.“

„Kostengünstiges Mittel für Arbeitgeber“

Das Forschungsteam untersuchte darüber hinaus, ob sich diese Einschätzungen durch eine bessere Aufklärung ändern lässt. Ein Teil der Befragten erhielt Informationen, wie es auch im Erwachsenenalter ohne Schwierigkeiten möglich ist, neue Fähigkeiten zu erwerben, und welche positiven Effekte dies haben kann. Diese Testpersonen hatten anschließend eine höhere Bereitschaft, sich weiterzubilden, als die Kontrollgruppe – vor allem wenn sie geringer qualifiziert waren. 

„Selbst eine überschaubare Aufklärung kann die Einstellung zu betrieblicher Weiterbildung ändern“, sagt Lergetporer. „Arbeitgeber haben damit ein kostengünstiges Mittel in der Hand, ihre Mitarbeitenden von ihren Angeboten zu überzeugen und gemeinsam mit ihnen die Weiterentwicklung der Unternehmen zu gestalten.“ 

Publikationen

H. Brosch, P. Lergetporer, F. Pfaehler und F. Schoner (2026): „Erwartungen entscheiden über betriebliche Weiterbildung“, ifo Schnelldienst 06/2026

H. Brosch, P. Lergetporer und F. Schoner (2025), “Worker Beliefs About Firm Training”, CESifo Working Paper 12183

Weitere Informationen und Links

Prof. Philipp Lergetporer forscht am Global Center for Family Enterprise am TUM Campus Heilbronn

Am TUM Campus Heilbronn forschen und lehren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Management und Informatik gemeinsam zur digitalen Transformation und zu Familienunternehmen. Ihre Erkenntnisse tragen dazu bei, dass auch kleine und mittlere Unternehmen den technologischen Wandel gestalten können. 

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